Verdirbt Tourismus den Charakter?

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H.H.
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Verdirbt Tourismus den Charakter?

Beitrag von H.H. » Mo 4. Mai 2009, 17:07

Verdirbt Tourismus den Charakter?

Seit fast 20 Jahren bereisen meine Frau und ich regelmäßig Thailand. Wir
lieben dieses Land und seine Menschen. Doch in letzter Zeit haben wir
das Gefühl, dass sich in einigen Touristenspots vieles ändert. Und das
nicht zum Guten.
Hier einige Beispiele:
1. Ein idyllischer kleiner Strand auf Koh Tao,Aow Leuk.
Wir verbrachten dort einige Tage. Der Strand wird von einem älteren
Ehepaar bewirtschaftet. Noch vor ein paar Jahren gab es dort nur deren
kleines Restaurant. Nun haben beide Söhne des Ehepaares auch je ein
Restaurant und Gästezimmer. Aber eben alles in der Hand dieser einen
Familie. Überall ist der Zugang zum Strand mit Stacheldraht eingezäunt
und Schilder in mehreren Sprachen verbieten das Mitbringen von Speisen
und Getränken. So weit so gut. Klar, die wollen das man nicht nur den
Strand besucht, sondern auch dort sein Geld für Essen und Getränke
lässt. Sehe ich ein. So verbringen wir unsere Zeit dort mit viel
Schnorcheln und Tauchen. Die Zeit dazwischen immer wieder in einem der
Restaurants. Als meine Frau nun nach einem langen Tauchgang mit etwas
wackeligen Beinen wieder am Strand lag, nahm sie sich einen
Traubenzucker aus der Tasche und steckte ihn sich in den Mund. Sofort
kam der ältere Herr des Strandes und schrie uns an, wir sollen sofort
verschwinden. Essen sei hier verboten. Er trat nach unserer
Tauchausrüstung und packte mich an den Schultern und schubste mich zu
Boden. Als wir daraufhin in einem der Restaurants der Söhne ein Taxi
rufen wollten, wurde uns auch da der Zutritt verwehrt, mit den Worten:
"Ihr dürft nicht rein, mein Vater hat es verboten". Das gleiche
Restaurant, in dem wir so oft gegessen und getrunken hatten! So wurden
wir wie Verbrecher vertrieben uund mussten den Weg in die nächste
Ortschaft zu Fuss gehen. In einem Lokal an einem anderen Strand auf Koh
Tao erzählte uns eine Familie eine ähnliche Geschichte. Sie waren mit
ihren zwei Kindern 8 Jahre und 5 Monate alt an eben diesem besagten
Strand. Die Familie war zum Mittagessen im Restaurant des
Familienoberhauptes. Anschließend wollten sie ihr Baby mit einem
mitgebrachten Babygläschen füttern und wurden auch mit Androhung von
Gewalt vertrieben. Die Familie war völlig geschockt.Die Frau
Thailänderin ,ihr Mann Deutscher, konnten die Welt nicht mehr verstehen.
Taxifahrer auf der Insel starteten sogar schon einen Boykott und
weigeretn sich diesen Strand anzufahren, weil die Aggressionen dort
bekannt sind. Leider ohne Erfolg. Es ändert sich dort nichts. So werden
wir unseren Lieblingsstrand wohl nicht mehr besuchen.
Ortswechsel Samui:
Taxifahrer werden handgreiflich, wenn man darauf besteht, das Taximeter
anzuschalten, die Polizei schaut dabei zu.
Oder: Uns fuhr ein Motorrad mit überhöhter Geschwindigkeit in unser
Mietauto. Der Motorradfahrer kam schwer verletzt ins Krankenhaus. Die
Polizei kam, der Unfall wurde aufgenommen. Drei Zeugen gaben zu
Protokoll, dass der Motorradfahrer schuld gewesen ist. Nach drei Tagen,
gab auch der Motorradfahrer seine Schuld bei einer Vernehmung zu. Trotz
einer sehr guten Vollkaskoversicherung, der Zeugenaussagen und der
Aussage des Fahrers, mussten wir einen 6-stelligen Betrag an den
Polizeichef der Insel zahlen, damit er uns unsere Pässe wieder gab.
Seine Worte: "Entweder ihr zahlt, oder ich schreibe einen Bericht, dass
ihr schuld seit. Dann könnt ihr hier auf der Insel bis zu eurem Prozess
warten und ich werde bezeugen, dass alles eure Schuld war". An
Zeugenaussagen, die unsere Unschuld bewiesen, konnte er sich auf einmal
nicht mehr erinnern. Selbst ein Hilferuf bei der deutschen Botschaft in
Bangkok half nicht weiter. Dort wurde uns nur mitgeteilt: Am Besten
zahlen sie, dass ist am einfachsten. Samui ist für seine Korruption
bekannt".
Als vor einiger Teit die Geschichte des Ehepaares mit dem Hund, dass auf
Samui lebte auf Ihrer Website erzählt wurde, kamen all diese unschönen
Erinnerungen wieder hoch.
Sicher, es sind nur ein paar Ereignisse und spiegeln nicht das ganze
Land wieder. Aber was uns auffällt, umso mehr eine Gegend touristisch
erschlossen ist, umso weniger findet man das geliebte Thaiand wieder.
Doch zum Glück, gibt es noch Landstriche, an denen man noch
willkommender Gast ist. Ich denke, von den Urlaubern wird erwartet, dem
Land und seinen Bewohnern mit Respekt entgegen zu treten. Das sollte
auch eine Selbstverständlichkeit sein, denn leider ist das nicht immer
so. Aber dann erwarte auch ich, fair und freundlich behandelt zu werden.
Wir sind niemand, der meint mit Geld alles haben zu können. Wir
versuchen uns immer anzupassen und in kein "Fettnäpfchen" zu treten.
Aber warum dann solche Begebenheiten?

Jürgen Mengelkoch

(Mit Erlaubnis eingestellt)
Gruß Horst Herrmann
Lieber ein Winter in Thailand als ein Sommer in Germany.

Willi Wacker
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Re: Verdirbt Tourismus den Charakter?

Beitrag von Willi Wacker » Di 5. Mai 2009, 02:27

Als meine Frau nun nach einem langen Tauchgang mit etwas
wackeligen Beinen wieder am Strand lag, nahm sie sich einen
Traubenzucker aus der Tasche und steckte ihn sich in den Mund. Sofort
kam der ältere Herr des Strandes und schrie uns an, wir sollen sofort
verschwinden. Essen sei hier verboten. Er trat nach unserer
Tauchausrüstung und packte mich an den Schultern und schubste mich zu
Boden
wollten sie ihr Baby mit einem
mitgebrachten Babygläschen füttern und wurden auch mit Androhung von
Gewalt vertrieben.
...bei aller Gier nach dem schnöden Mammon
was auch mir oft und wiederholt aufgefallen ist
das hier glaube ich nicht !!
...euer Willi

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Re: Verdirbt Tourismus den Charakter?

Beitrag von expat » Mo 5. Apr 2010, 19:29

Ich glaub's auch nicht. Und wenn es dennoch stimmt, so ist es nicht typisch.
Einer Legende nach sollten die Schweizer Bürger einen Hut des Diktators Gessler so grüßen als sei er es selbst. Schiller machte aus dem Stoff sein Drama "Wilhelm Tell". Eine solche Funktion hat der Erlass, der freien Bürgern ohne sinnvollen Grund einen Maulkorb anlegt, der nach Expertenmeinungen ihre Gesundheit schädigt.

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