Der Bartmaler

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Der Bartmaler

Beitrag von expat » Di 23. Dez 2008, 18:38

Bild


In Pattaya gibt es einen Marco, der als Bartmaler bekannt geworden ist. Man findet etwas über ihn bei google, wenn man Bartmaler und Pattaya eingibt. Von ihm habe ich mal ein Heftchen mit gar köstlichen Geschichten bekommen. Man findet ihn persönlich in Naklua in seinem Bartcafe, wo auch viele seiner Bilder hängen, die er alle nicht mit einem Pinsel, sondern mit seinem Bart gemalt hat. Sogar ein Film ist bei MyVido zu finden. Nicht sonderlich gut gemacht allerdings. Eine seiner Geschichten habe ich beschlossen, mal von ihm zu leihen:

Beton
Jeden Tag, liebe Tierfreunde, werden mehrere Quadratkilometer unserer Natur zubetoniert. Da wollen wir Tierfreunde nicht hinten anstehen. Am letzten Wochenende habe ich meinen ganzen Garten mit Stahlbeton versiegelt. Ein einzigartiges Schauspiel erwartet mich nun in den folgenden Jahrzehnten. Jahr für Jahr kann ich beobachten, wie das Leben ein neu entstandenes, unwirtliches Eiland Zug um Zug zurückerobert. Dort, wo noch vor einer Woche Hinz und Kunz planlos wuchern durfte, bekommt die Natur die Chance zu einem Neubeginn. Und wenn uns Tierfreunden der neue Entwurf nicht gefällt, dann können wir die Fläche ohne Probleme wieder löschen.

Vor ein paar Tagen hatte sich z.B. rund um einen Haufen Hundedreck eine Kolonie ekelerregender Kerbtiere niedergelassen: so hatten wir uns den Beginn des neuen Lebens nicht vorgestellt und mit unserem Gartenschlauch rasch wieder eine tabula rasa geschaffen. Doch schon einen Tag später hatten sich die Penner wieder versammelt. Diesmal galt ihr Interesse dem Vogeldreck.

Es ist herzzerreißend, liebe Tierfreunde: immer ist es der Abschaum, der ein Privileg wie diesen neu von mir geschaffenen Lebensraum auf der Betonplatte zuerst nutzt. Das Gute, Wahre, Schöne etwa in Gestalt des lieblichen Maiglöckchens zieht sich aus unserer Zivilisation zurück. Es ist wie in der Fußgängerzone, in der auch nur noch die Punker mit ihrem parasitären Lebensstil ein ständiges Siedlungsgebiet finden. Was dort der Wasserwerfer nicht erreichen kann, können wir mit unserem Gartenschlauch ohne Probleme realisieren: Hinfort mit allem Ekelerregenden, das unsere Betonplatte schändet. Auch die Natur wird sich fragen müssen, ob sie überhaupt in der Lage ist, mit positiven Ideen an der Gestaltung unserer Umwelt teilzunehmen. Auf meinen Beton antwortete sie mit Ungeziefer - wenn der Regenwald abgeholzt wird, droht sie mit Klimaentzug. Ja selbst bei so harmlosen Verrichtungen wie der Verwendung von Intimsprays werden von der Natur gleich die Polkappen abgeschmolzen. Ich als Tierfreund frage mich, ob wir uns die Überreaktionen von der Natur überhaupt noch gefallen lassen sollen. Ich bin mit meiner Betonplatte im Garten recht zufrieden. Wenn die Natur positive Gestaltungsvorschläge hat, kann sie sich gerne an mich wenden. Ihr Unkraut, schleimiges Gewürm und sonstige Abarten soll sie aber doch bitteschön auf ihren Grundstücken unterbringen.


Der Film:


Einer Legende nach sollten die Schweizer Bürger einen Hut des Diktators Gessler so grüßen als sei er es selbst. Schiller machte aus dem Stoff sein Drama "Wilhelm Tell". Eine solche Funktion hat der Erlass, der freien Bürgern ohne sinnvollen Grund einen Maulkorb anlegt, der nach Expertenmeinungen ihre Gesundheit schädigt.

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OttoNongkhai
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Re: Beton

Beitrag von OttoNongkhai » Mi 24. Dez 2008, 11:23

Interessantee Geschichte,besonders das Glas Rotwein habe ich wiedererkannt.
Leider ist meine Net Verbindung hier etwwas langsam,konnte nicht zu Ende sehen :cry:

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Re: Beton

Beitrag von expat » Mi 24. Dez 2008, 11:30

OttoNongkhai hat geschrieben:Interessantee Geschichte,besonders das Glas Rotwein habe ich wiedererkannt.
Leider ist meine Net Verbindung hier etwas langsam,konnte nicht zu Ende sehen :cry:
Ich habe ihn mal angeschrieben. Ich glaube, er ist inzwischen in einer Höhle in Krabi. Vielleicht können wir ja mal mehr Geschichten von ihm zeigen.
Einer Legende nach sollten die Schweizer Bürger einen Hut des Diktators Gessler so grüßen als sei er es selbst. Schiller machte aus dem Stoff sein Drama "Wilhelm Tell". Eine solche Funktion hat der Erlass, der freien Bürgern ohne sinnvollen Grund einen Maulkorb anlegt, der nach Expertenmeinungen ihre Gesundheit schädigt.

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Re: Beton

Beitrag von OttoNongkhai » Mi 24. Dez 2008, 11:34

Nenne mir den Namen der Hoehle in Krabi und ich schaue mal vorbei! :wink:
Vieleicht bekomme ich etwas Hoehlenmalerei vor die Linse!

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Re: Beton

Beitrag von expat » Mi 24. Dez 2008, 11:41

OttoNongkhai hat geschrieben:Nenne mir den Namen der Hoehle in Krabi und ich schaue mal vorbei! :wink:
Vieleicht bekomme ich etwas Hoehlenmalerei vor die Linse!
Na dann geh doch mal auf die Webseite von ihm.
Einer Legende nach sollten die Schweizer Bürger einen Hut des Diktators Gessler so grüßen als sei er es selbst. Schiller machte aus dem Stoff sein Drama "Wilhelm Tell". Eine solche Funktion hat der Erlass, der freien Bürgern ohne sinnvollen Grund einen Maulkorb anlegt, der nach Expertenmeinungen ihre Gesundheit schädigt.

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Die Heidschnucke

Beitrag von expat » Di 10. Feb 2009, 16:06

Leider habe ich keine Antwort auf meine Anfrage erhalten. So stelle ich euch mal eine zweite Geschichte vor:
Die Heidschnucke
Seit Jahrtausenden hat die Kirche alle Schäfchen unter Kontrolle. Alle Schäfchen? - Nein, im Osten Niedersachsens leben vom christlichen Missionseifer noch immer unberührt die Heidschnucken. Ein widerborstiger Stamm ungetaufter Paarhufer, die sich nicht als Osterlamm in die ewige Gyrosbude abschieben lassen. Seit ungeheuer langen Zeiten tragen sie ihre Waffen am Kopf und verachten den weibischen Knilch vom Wollsiegelemblem. Als Karl der Große nach der bekannten Rübe-ab-Methode vor über tausend Jahren die Sachsen christianisierte, versuchten seine Mönche auch dem wehrhaften Stamm der Schnucki im Land der ostfälischen Sachsen, von dem Produktvorteil des Monotheismus zu überzeugen. Da die fränkischen Kolonisatoren alle Bewohner dieses Landstriches schlichtweg für unzivilisierte Barbaren hielten, merkten sie nicht, daß es sich bei der Schnucki gar nicht um Sachsen, sondern um Schafe handelte. So, wie sich schon vorher die Kollegen Bonifazius und Wulfila den Wolf missioniert hatten, an dem zotteligen Kollegen scheiterten auch die fränkischen Mönche an der extremen Begriffsstutzigkeit der Schnucki, die fortan im fränkischen Reich nur noch die Heidschnucki geheißen wurden. Heidschnuckenbraten wurde im Reich Karls des Großen zu einer perversen Delikatesse fundamentalistischer Menschenfresser, und der Geschlechtsverkehr mit den vermeintlich ungläubigen Wilden zu einer diabolischen Lust des frühen Mittelalters. Noch heute hat unserere Sprache Relikte des frühen Sodomismus aufbewahrt. Wenn ein Mann sein Weib zärtlich "Schnucki" nennt, dann denkt er dabei wohl kaum noch an den geilen fränkischen Mönch, der einst ein ungläubiges Schaf bestieg. Bis zum nächsten Mal, ihr kleiner Tierfreund.
Einer Legende nach sollten die Schweizer Bürger einen Hut des Diktators Gessler so grüßen als sei er es selbst. Schiller machte aus dem Stoff sein Drama "Wilhelm Tell". Eine solche Funktion hat der Erlass, der freien Bürgern ohne sinnvollen Grund einen Maulkorb anlegt, der nach Expertenmeinungen ihre Gesundheit schädigt.

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Re: Der Bartmaler

Beitrag von expat » Di 10. Feb 2009, 17:43

Nun gönn' dem Johann doch auch mal was. Er hat doch sonst nichts. Jedenfalls nicht so viel.


Vermehrung


Die Maienzeit lockt mit ihrer prallen Blütenpracht und der verschwenderischen Fülle sprießender Triebe. Was läge da näher, liebe Tierfreunde, sich einmal Gedanken darüber zu machen, wie man sich am geschicktesten vermehrt. Der Mensch hat vor Urzeiten seine Methode dem Tier abgeschaut und ist bisher auf diesem Gebiet noch zu keiner methodischen Eigenständigkeit gelangt. Die Frage ist nicht unbegründet, wieso ein Wesen, das Lesen und Schreiben gelernt hat, die Schlagbohrmaschine erfunden hat und sogar lernte, das Auto zu zähmen und sich untertan zu machen, wieso dieses Wesen auf höchster kultureller Stufe immer noch rammelt wie ein Kaninchenbock. Nun gut, werden Sie sagen, liebe Tierfreunde, wenn's der Vermehrung dient, sei's drum. Aber nein, je kultivierter der Mensch, desto weniger stellt er diese rückständige Tätigkeit in den Dienst der Fortpflanzung. Der Mensch ist das gesteigerte Tier, das Animalische in Potenz, das jenseits der Arterhaltung dem Geschlechtsverkehr frönt. Erst in letzter Zeit hat die Wissenschaft Verfahren entwickelt, die diese erniedrigende Tätigkeit endgültig ins Reich der Tiere verbannten. Überall sprießen Samenbanken aus dem Boden, die den Mann von der Wiederkehr des Ewiggleichen befreien. Auch die Frau muß nicht mehr dem Animalischen willfährig sein, sondern kann ihren Sprößling in der Retorte zeugen lassen. Wir Tierfreunde wundern uns nur, wie wenig Menschen diese Gelegenheit beim Schopfe ergreifen und statt dessen noch in der Stellung ihrer Ahnen verharren, oft gar nicht realisierend, wie sehr sie darin mit dem Kanin auf einer Stufe stehen. Als Mensch müssen wir uns sorgen, daß, nachdem die Japaner schon die Produktion von Videorecordern und Automobilen an sich gerissn haben, uns nun auch auf einem anderen lebenswichtigen Gebiet ins Hintertreffen geraten lassen. Schwein und Rind, liebe Tierfreunde, kennen längst die künstliche Besamung. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis wir Europäer auch in dieser Technologie nicht mehr mithalten können.
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Re: Der Bartmaler

Beitrag von expat » Di 10. Feb 2009, 18:26

Ja, Heinz, ich sehe schon: Du hast an Manchem noch ganz schön zu knabbern. :cry:
Einer Legende nach sollten die Schweizer Bürger einen Hut des Diktators Gessler so grüßen als sei er es selbst. Schiller machte aus dem Stoff sein Drama "Wilhelm Tell". Eine solche Funktion hat der Erlass, der freien Bürgern ohne sinnvollen Grund einen Maulkorb anlegt, der nach Expertenmeinungen ihre Gesundheit schädigt.

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Re: Der Bartmaler

Beitrag von expat » Di 10. Feb 2009, 19:43

Wir dürfen die Geschichten bringen. Der Marco hat mir geantwortet.
Einer Legende nach sollten die Schweizer Bürger einen Hut des Diktators Gessler so grüßen als sei er es selbst. Schiller machte aus dem Stoff sein Drama "Wilhelm Tell". Eine solche Funktion hat der Erlass, der freien Bürgern ohne sinnvollen Grund einen Maulkorb anlegt, der nach Expertenmeinungen ihre Gesundheit schädigt.

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Re: Der Bartmaler

Beitrag von expat » Mi 18. Mär 2009, 12:24

Raupen

Wohl nirgendwo ist der Unterschied zwischen sympathischen, wohlerzogenen Erwachsenen und widerwärtigen Jugendlichen größer als beim Schmetterling. Ähnlich wie der rechtsradikale Menschenwelpe marodierend durch unsere Vorstädte krajohlt, vernichtet die Raupe das Leben in den Wäldern. Glücklicherweise läßt sich der gefräßige kleine Serbe chemikalisch disziplinieren. Trotz aller Anstrengungen ist es jedoch den Raupen des Schwammspinners gelungen, Teile Deutschlands für sich zu erobern. Vermutlich träumen sie, wie jede durchgedrehte Befreiungsfront, von einem autonomen Schwammspinnerstaat, und vernichten erstmal sozusagen als Magna Carta ihrer Staatsgründung die eigene Lebensgrundlage. Doch nicht nur der Wald wird angegriffen, auch menschliche Siedlungen bieten keinen Schutz vor den filzigen Horden. Aus Dach und Dachrinnen, aus schwäbischen Nasenlöchern und ostzonalen Kinderaftern, überall lugt die Larve und wartet darauf, sich als mordender Caterpillar auf die Welt zu stürzen. Merkwürdigerweise waren es ausgerechnet die Grünen, dieser pflanzliche Teil der politischen Meinungsbildung, die den Einsatz von DDT oder Agent Orange verhinderten. Unverständlich ist dieses Verhalten vor allem deshalb, da doch der Großteil der Bevölkerung lieber den karzinogenen Spätfolgen des chemischen Breitbandeinsatzes am eigenen Körper entgegensieht, als auch nur einen Quadratzentimeter seines scheintoten Vorgartens zu opfern. Überall bilden sich Bürgerwehren gegen den Raupenfeldzug, die triumphierend die Strecke vergifteter Schwammspinner verblasen, auch wenn die Großmutter mit gebrochenen Lichtern unterm DDT?Nebel im Lehnstuhl kauert. Doch, liebe Tierfreunde, letztendlich läßt sich die Invasion nicht aufhalten. Schon wurden im dürregeplagten Westafrika ca. 80 Millionen Wanderheuschrecken beobachtet, die im Tschad eine Boing 747 charterten und sich derzeit auf dem Flug nach Frankfurt befinden. Dann aber Gute Nacht, liebe Zuhörer. Es fällt mir schwer, jetzt noch ein "Bis zum nächsten Mal" zu wünschen. Leben Sie wohl, Ihr kleiner Tierfreund.
Einer Legende nach sollten die Schweizer Bürger einen Hut des Diktators Gessler so grüßen als sei er es selbst. Schiller machte aus dem Stoff sein Drama "Wilhelm Tell". Eine solche Funktion hat der Erlass, der freien Bürgern ohne sinnvollen Grund einen Maulkorb anlegt, der nach Expertenmeinungen ihre Gesundheit schädigt.

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