Der Bartmaler

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Re: Der Bartmaler

Beitrag von expat » Di 10. Feb 2009, 19:43

Wir dürfen die Geschichten bringen. Der Marco hat mir geantwortet.
Einer Legende nach sollten die Schweizer Bürger einen Hut des Diktators Gessler so grüßen als sei er es selbst. Schiller machte aus dem Stoff sein Drama "Wilhelm Tell". Eine solche Funktion hat der Erlass, der freien Bürgern ohne sinnvollen Grund einen Maulkorb anlegt, der nach Expertenmeinungen ihre Gesundheit schädigt.

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Re: Der Bartmaler

Beitrag von expat » Mi 18. Mär 2009, 12:24

Raupen

Wohl nirgendwo ist der Unterschied zwischen sympathischen, wohlerzogenen Erwachsenen und widerwärtigen Jugendlichen größer als beim Schmetterling. Ähnlich wie der rechtsradikale Menschenwelpe marodierend durch unsere Vorstädte krajohlt, vernichtet die Raupe das Leben in den Wäldern. Glücklicherweise läßt sich der gefräßige kleine Serbe chemikalisch disziplinieren. Trotz aller Anstrengungen ist es jedoch den Raupen des Schwammspinners gelungen, Teile Deutschlands für sich zu erobern. Vermutlich träumen sie, wie jede durchgedrehte Befreiungsfront, von einem autonomen Schwammspinnerstaat, und vernichten erstmal sozusagen als Magna Carta ihrer Staatsgründung die eigene Lebensgrundlage. Doch nicht nur der Wald wird angegriffen, auch menschliche Siedlungen bieten keinen Schutz vor den filzigen Horden. Aus Dach und Dachrinnen, aus schwäbischen Nasenlöchern und ostzonalen Kinderaftern, überall lugt die Larve und wartet darauf, sich als mordender Caterpillar auf die Welt zu stürzen. Merkwürdigerweise waren es ausgerechnet die Grünen, dieser pflanzliche Teil der politischen Meinungsbildung, die den Einsatz von DDT oder Agent Orange verhinderten. Unverständlich ist dieses Verhalten vor allem deshalb, da doch der Großteil der Bevölkerung lieber den karzinogenen Spätfolgen des chemischen Breitbandeinsatzes am eigenen Körper entgegensieht, als auch nur einen Quadratzentimeter seines scheintoten Vorgartens zu opfern. Überall bilden sich Bürgerwehren gegen den Raupenfeldzug, die triumphierend die Strecke vergifteter Schwammspinner verblasen, auch wenn die Großmutter mit gebrochenen Lichtern unterm DDT?Nebel im Lehnstuhl kauert. Doch, liebe Tierfreunde, letztendlich läßt sich die Invasion nicht aufhalten. Schon wurden im dürregeplagten Westafrika ca. 80 Millionen Wanderheuschrecken beobachtet, die im Tschad eine Boing 747 charterten und sich derzeit auf dem Flug nach Frankfurt befinden. Dann aber Gute Nacht, liebe Zuhörer. Es fällt mir schwer, jetzt noch ein "Bis zum nächsten Mal" zu wünschen. Leben Sie wohl, Ihr kleiner Tierfreund.
Einer Legende nach sollten die Schweizer Bürger einen Hut des Diktators Gessler so grüßen als sei er es selbst. Schiller machte aus dem Stoff sein Drama "Wilhelm Tell". Eine solche Funktion hat der Erlass, der freien Bürgern ohne sinnvollen Grund einen Maulkorb anlegt, der nach Expertenmeinungen ihre Gesundheit schädigt.

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Re: Der Bartmaler

Beitrag von expat » Mi 16. Sep 2009, 16:47

Und noch eine Geschichte vom Bartmaler Marco:


Vegetarier.
Liebe Tierfreunde, in der Natur hat seit Jahrtausenden der Mensch als eines der Spitzentiere seinen Platz zwischen Wolf und Zecke eingenommen. Wie diese besucht er regelmässig die gemischte Fauna und nimmt sich, was er braucht. Ähnlich andereren großen Fleischfressern bejagt der Mensch ebenfalls den schwächeren Nahrungskonkurrenten.
So wie der Uhu gern den unvorsichtigen Jungfuchs schlägt, macht sich der Chinese gegen Abend den Hofhund warm. Lediglich in seiner Unterabart des Vegetariers existiert der Mensch als reiner Pflanzenfresser. Hauptsächlich versuchen diese Exemplare von einem rituellen Brei namens "Müsli" zu existieren. Dieser Brei ist der Masse nachgebildet, die einst das Muttertier am Nestrand den sperrerenden Kleinkindern entgegenwürgte. Verzweifelt versucht der Vegetarier sich das Paradies seiner Kindheit dadurch zu erhalten, daß er mit unverdaulichen Körnern durchsetzten Gelee Royale eines symbolischen Muttertiers in sich hineinzwingt.
Die männliche Linie des Menschengeschlechts hingegen tut es seit jeher denn wilden Eber gleich und gründelt sowohl in feister Kartoffelmast als auch im Gedärm des aufgebrochenen Luders. In den Kühltheken unsererer Kaufhäuser sind Aas und ranziger Body allerdings längst durch Fleischwurst und Formschinken ersetzt, um auch das empfindliche Weibchen an die Fleischnahrung heranzuführen.
Den Vegetarier kümmert dieses Entgegenkommen der Fleischindustrie wenig. In kindlichem Trotz versucht er die hohe Schule des Formfleisches durch rein pflanzliche Bauteile zu erreichen. Aus Pestwurz und Wegerich knetet der Vegetarier seine Schnitzelatrappe, die ihn bei der Nahrungsaufnahme in der Öffentlichkeit vorm Gespött der Fleischfresser bewahren soll. Zu Hause aber, im verborgenen, äst der weibische Knilch weiterhin die Blumenbänke kahl oder löffelt den hochbauschigen Schimmel von der Kefirkultur.
Zusehens verschafft sich die wiederkäuende Spezies sogar neue Stützpunkte mitten in unseren Innenstädten, in sogenannten vegetarischen Restaurants, hocken sie im Bündel an der Raufe und rupfen Dinkel und Buchweizen in sich hinein. Durch das christliche Abendmahl übervorsichtig geworden, verschmähen *sie sogar den' Wein und schlürfen stattdessen den garantiert rein pflanzlichen Rharbarber- oder Silagesaft zur Soja- und Tofumast.
Uns, liebe Tierfreunde, die wir das Tier bis über den Tod hinaus schätzen, muß das alberne Getue der Vegetarier fremd bleiben. Geradezu leichtfertig erscheint es uns, in einer Welt voll Hunger und Not den sicheren Platz am Ende der Nahrungskette aufzugeben.
Wenn das Zebra die Pranken des Leu im Nacken spürt, wird es sicherlich wohl so manches Mal seine verbohrte Weltanschauung verflucht haben. Hoffen wir, daß den Vegetariern dieses Schicksal erspart bleibt.
Ihr kleiner Tierfreund.
Einer Legende nach sollten die Schweizer Bürger einen Hut des Diktators Gessler so grüßen als sei er es selbst. Schiller machte aus dem Stoff sein Drama "Wilhelm Tell". Eine solche Funktion hat der Erlass, der freien Bürgern ohne sinnvollen Grund einen Maulkorb anlegt, der nach Expertenmeinungen ihre Gesundheit schädigt.

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