Wenn man alt wird

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Wenn man alt wird

Beitrag von expat » Di 16. Dez 2008, 16:49

Besonders literarisch finde ich das nicht, aber mir fehlt noch eine Kategorie,
wo das besser hin passt.

Einmal in Berlin machte ich einer älteren Dame mit Krückstock die Türe
auf, und sie schlich sich langsam näher, blieb stehen und sagte dann:
"Ja ja, das ist nichts, wenn man alt wird."
Nach ein paar weiteren Schritten auf mich zu sagte sie dann:
"Das ist nichts, wenn man alt wird. Wenn man jung ist, denkt man, es
geht immer so weiter."

Als sie dann bei mir war und durch die Türe ging:
"Und dann kommt es doch ganz anders."
Ich war damals ungefähr dreißig und bemerkte mit leichtem Schrecken,
dass ich auch noch in dem Bewusstsein lebte, es ginge immer so weiter.
Dann habe ich angefangen zu joggen. 30 Jahre lang mindestens drei mal
in der Woche 4 km durch den Schlosspark.
Daran musste ich heute denken, als mir ein Klassenkamerad diesen Be-
Bericht per E-Mail zugeschickt hat:

Alles ist weiter weg als früher. Es ist zweimal so weit zur Ecke und zu
meinem Lebensmittelladen. Und nun ist auch noch ein Berg dazwischen,
habe ich gemerkt. Das Rennen zum Bus habe ich auch aufgegeben, denn
der fährt jetzt auch schneller weg als früher. Auch kommt es mir so vor,
als würde man heutzutage die Treppen steiler machen. Hast du schon
gemerkt, dass die Zeitungen heutzutage eine kleinere Schrift haben? Es
hat aber auch keinen Zweck, jemanden zu bitten, etwas vorzulesen, denn
alle sprechen heutzutage so leise, dass man kaum etwas verstehen kann.
Die Kleidung heutzutage ist auch viel enger geschnitten als früher. Die
angegeben Größen stimmen gar nicht mehr, und besonders um die Hüfte
herum sind sie so eng, dass ich mich kaum noch bücken kann, um die
Schuhe zu zu binden. Auch die Menschen haben sich verändert. Die
Gleichaltrigen sehen viel älter aus als ich. Neulich traf ich einen Klassen-
kameraden. Der war so gealtert, dass er mich gar nicht mehr erkannt
hat. Als ich mir heute Morgen meine Haare kämmte und in den Spiegel
sah, merkte ich, dass der auch schon ziemlich alt aussah.
Einer Legende nach sollten die Schweizer Bürger einen Hut des Diktators Gessler so grüßen als sei er es selbst. Schiller machte aus dem Stoff sein Drama "Wilhelm Tell". Eine solche Funktion hat der Erlass, der freien Bürgern ohne sinnvollen Grund einen Maulkorb anlegt, der nach Expertenmeinungen ihre Gesundheit schädigt.

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Re: Wenn man alt wird

Beitrag von expat » Di 16. Dez 2008, 19:02

HPollmeier hat geschrieben:Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.

Franz Kafka
Der ist ja nun nicht sehr alt geworden mit dieser Einsicht.
Einer Legende nach sollten die Schweizer Bürger einen Hut des Diktators Gessler so grüßen als sei er es selbst. Schiller machte aus dem Stoff sein Drama "Wilhelm Tell". Eine solche Funktion hat der Erlass, der freien Bürgern ohne sinnvollen Grund einen Maulkorb anlegt, der nach Expertenmeinungen ihre Gesundheit schädigt.

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Re: Wenn man alt wird

Beitrag von expat » Di 16. Dez 2008, 19:22

Vielleicht hat er zu viel Kafka gelesen.
Einer Legende nach sollten die Schweizer Bürger einen Hut des Diktators Gessler so grüßen als sei er es selbst. Schiller machte aus dem Stoff sein Drama "Wilhelm Tell". Eine solche Funktion hat der Erlass, der freien Bürgern ohne sinnvollen Grund einen Maulkorb anlegt, der nach Expertenmeinungen ihre Gesundheit schädigt.

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Re: Wenn man alt wird

Beitrag von expat » Fr 13. Nov 2009, 08:59

Wenn man alt wir, stirbt man meistens vor den Jungen. Ist es das, was die Gesellschaft so aufschreckt, wenn mal ein Junger vor den Alten stirbt? Robert Enke hat Selbstmord begangen. Wird der Gesellschaft bei solchen Anlässen mit einem Schlage bewusst, was sie gerne verdrängt: Alle sind sterblich?
Nun fühlen sich alle schuldig und machen sich und die widrigen Umstände dafür verantwortlich, dass sich Enke nun also offensichtlich aus guten Gründen getötet hat. Stress, Leistungsdruck, die unmenschlichen Anforderungen der Profiumgebung, die böse böse Umwelt also. Sicher sind das unangenehme Lebensbedingungen. Wer aber den Druck und den inneren Schmerz nur dadurch "lösen" kann, dass er sich selbst vernichtet, der hat Probleme, die ganz woanders und vel früher entstanden sind. Der Name ist "Neurose", Unterbegriff: Depression. Tief im Inneren verankerte Notprogramme der Natur, die im frühen Stadium des Heranwachsens das Übeleben garantieren, wenn auch auf begrenzter Ebene. Die Umwelt, die Mitmenschen sind machtlos, weil die Psyche des betroffenen vornehmlich auf frühe Verletzungen reagiert und nur bedingt auf die Gegenwart. Die Gegenwart bleibt mehr oder weniger Vorwand.
Einer Legende nach sollten die Schweizer Bürger einen Hut des Diktators Gessler so grüßen als sei er es selbst. Schiller machte aus dem Stoff sein Drama "Wilhelm Tell". Eine solche Funktion hat der Erlass, der freien Bürgern ohne sinnvollen Grund einen Maulkorb anlegt, der nach Expertenmeinungen ihre Gesundheit schädigt.

Willi Wacker
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Re: Wenn man alt wird

Beitrag von Willi Wacker » Sa 14. Nov 2009, 04:05

...seid froh das ihr euch noch erinnern könnt
was ihr heute früh gegessen habt
und wie eure Frau aussieht
...euer Willi

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Re: Wenn man alt wird

Beitrag von expat » Sa 14. Nov 2009, 23:09

Willi Wacker hat geschrieben:...seid froh das ihr euch noch erinnern könnt
was ihr heute früh gegessen habt
Wieso soll ich mich daran erinnern, wenn es doch schon gegessen ist?
Willi Wacker hat geschrieben:....und wie eure Frau aussieht
Warum soll ich mich daran erinnern, wenn sie doch auf meinem Sofa sitzt?
Was möchtest du uns eigentlich mitteilen?
Bedenke: Du bist hier nicht im Brabbelkotz. :Lach:
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Re: Wenn man alt wird

Beitrag von expat » Sa 14. Nov 2009, 23:26

HPollmeier hat geschrieben:Willi will uns sagen,

dass wir froh sein koennen, nicht die Alzheimer-Krankheit zu haben - noch nicht.

Kann ja jederzeit einsetzen.

Gruss
Heinz
Alzheimer? Was war das noch mal?
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Re: Wenn man alt wird

Beitrag von Willi Wacker » So 15. Nov 2009, 00:09

Heinz,
es hat ihn doch ein wenig verwirrt :smilmod_9:
...euer Willi

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Re: Wenn man alt wird

Beitrag von expat » So 15. Nov 2009, 00:50

HPollmeier hat geschrieben:Willi,

die Frage ist dann, ob er es noch weiss.

Gruesse!
Wer was weiß?
Einer Legende nach sollten die Schweizer Bürger einen Hut des Diktators Gessler so grüßen als sei er es selbst. Schiller machte aus dem Stoff sein Drama "Wilhelm Tell". Eine solche Funktion hat der Erlass, der freien Bürgern ohne sinnvollen Grund einen Maulkorb anlegt, der nach Expertenmeinungen ihre Gesundheit schädigt.

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Re: Wenn man alt wird

Beitrag von Willi Wacker » So 15. Nov 2009, 04:33

...ich lese gerade ein Buch
Lisa Genova: Mein Leben ohne Gestern
es berührt sehr da ich ein wenig betroffen bin ( nein nicht meine Person )
Alice ist zufrieden mit sich und ihrem Leben. Sie ist glücklich verheiratet, ihre drei Kinder sind bereits aus dem Gröbsten raus, und auch beruflich hat sie ihren Traum verwirklichen können. Als Professorin für kognitive Psychologie ist sie eine anerkannte Größe in Harvard. Doch plötzlich beginnt sie, die immer so zuverlässig war, Termine zu vergessen, sie verlegt ihre Sachen, und beim Joggen weiß sie auf einmal nicht mehr, wie sie nach Hause kommt. Obwohl sie nur wenige Blocks weit gelaufen ist. Ein beängstigender Verdacht schleicht sich in ihr Leben: Ein Hirntumor?

Alice rechnet mit dem Schlimmsten. Als sie erfährt, dass sie an einer frühzeitigen Form von Alzheimer leidet, kann sie es zunächst gar nicht glauben. Sie ist doch erst fünfzig! Machtlos muss sie dabei zusehen, wie ihre Erinnerungen ihr mehr und mehr entgleiten ...

Eine ergreifende Geschichte einer Frau in den besten Jahren, die ihr eigenes und wohl vertrautes Leben schwinden sieht. Mein Leben ohne Gestern ist ein schmerzliches Porträt und
ein Buch, das Sie nicht vergessen werden. Lisa Genova zeigt uns: Wenn die Gedächtnisleistung nachlässt, bleiben immer noch die Gefühle.
... sie hatte sich selbst einen Brief geschrieben und geschworen sich umzubringen wenn es soweit ist
nur hat sie vergessen wo sie diese verdammten Pillen versteckt hat :denk:
...euer Willi

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