Atomenergie

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expat
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Atomenergie

Beitrag von expat » Sa 12. Mär 2011, 18:39

Soll man in Erdbebengebieten Atomkraftwerke bauen? Soll man überhaupt Atomreaktoren bauenn?
Jetzt haben wir wieder das Dilemma: In Japan könnte eine Kernschmelze ungeplant vor sich gehen.
Gibt es da nicht ein Prinzip, nach dem schief gehen muss (irgendwann), was schief gehen kann?
Einer Legende nach sollten die Schweizer Bürger einen Hut des Diktators Gessler so grüßen als sei er es selbst. Schiller machte aus dem Stoff sein Drama "Wilhelm Tell". Eine solche Funktion hat der Erlass, der freien Bürgern ohne sinnvollen Grund einen Maulkorb anlegt, der nach Expertenmeinungen ihre Gesundheit schädigt.

Somprit

Re: Atomenergie

Beitrag von Somprit » Sa 12. Mär 2011, 20:51

... nun ohne jetzt auf das heiße Thema weiter einzugehen, die um UNS besorgte Botschaft in Bangkok vermeldet:
In Japan hat es nach Erdbeben und Tsunami heute (12. März) in einem Atomkraftwerk einen schweren Unfall gegeben.
Einzelheiten über den Austritt von Radioaktivität und der Gesundheitsgefährdung wurden von den japanischen Behörden bisher nicht mitgeteilt.
Alle deutschen Botschaften in der Region und das Auswärtige Amt sind um weitere Informationen bemüht.
Wir möchten aber verständlichen Besorgnissen vorbeugen:Thailand ist ca. 5.000 km vom Unfallort entfernt (im Vergleich: Deutschland - Ukraine/Tschernobyl ca. 1.200 km)
Eine unmittelbare Gefährdung liegt also nicht vor!
Dr. Hanns SchumacherBotschafter
... nun dann bleibt ja für UNS Hoffnung

salz
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Re: Atomenergie

Beitrag von salz » So 13. Mär 2011, 07:11

expat hat geschrieben: Gibt es da nicht ein Prinzip, nach dem schief gehen muss (irgendwann), was schief gehen kann?
Murphys Law

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Re: Atomenergie

Beitrag von expat » So 13. Mär 2011, 07:37

salz hat geschrieben:
expat hat geschrieben: Gibt es da nicht ein Prinzip, nach dem schief gehen muss (irgendwann), was schief gehen kann?
Murphys Law
Richtig, danke.

http://de.wikipedia.org/wiki/Murphys_Gesetz
Einer Legende nach sollten die Schweizer Bürger einen Hut des Diktators Gessler so grüßen als sei er es selbst. Schiller machte aus dem Stoff sein Drama "Wilhelm Tell". Eine solche Funktion hat der Erlass, der freien Bürgern ohne sinnvollen Grund einen Maulkorb anlegt, der nach Expertenmeinungen ihre Gesundheit schädigt.

Somprit

Re: Atomenergie

Beitrag von Somprit » So 13. Mär 2011, 09:57

... und wie sollte man(n) die Vertrauenswürdigkeit des AKW-Betreibers dort in Japan bewerten, sagen sie heute über den bevorstehenden "Super-Gau" (??) die Wahrheit .... :think:

Tepco:
Die Tokyo Electric Power Company (Tepco) ist der größte Energieproduzent Japans. In der Vergangenheit machte das Unternehmen mehrfach negative Schlagzeilen durch falsche oder zögerliche Informationspolitik bei Störfällen und Routineinspektionen.

2002 mussten der Präsident des Unternehmens und vier weitere leitende Manager zurücktreten, weil jahrelang Sicherheitsprotokolle gefälscht worden waren. Dem 1951 gegründeten Unternehmen wurde vorgeworfen, 29 Reparaturberichte gefälschtzu haben. Fünf Reaktorblöcke mussten zeitweilig abgeschaltet werden - darunter auch Fukushima 1.

Vier Jahre später geriet Tepco erneut wegen Fukushima 1 in Erklärungsnot. Damals ordnete die Regierung eine Nachprüfung der Kühlwassertemperatur-Berichte aus den Jahren 1985 und 1988 an. Gefälschte Angaben sollen auch den Inspektoren bei den regelmäßigen Kontrollen vorgelegt worden sein. 2007 sprach der Energieversorger selbst von weiteren gefälschten Daten http://www.tagesschau.de/ausland/fukushima130.html

:angry: :diablo:

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Re: Atomenergie

Beitrag von expat » So 13. Mär 2011, 10:22

So was nennt man Risikobereitschaft. :Lach:
So wie im Golf von Mexico.
Einer Legende nach sollten die Schweizer Bürger einen Hut des Diktators Gessler so grüßen als sei er es selbst. Schiller machte aus dem Stoff sein Drama "Wilhelm Tell". Eine solche Funktion hat der Erlass, der freien Bürgern ohne sinnvollen Grund einen Maulkorb anlegt, der nach Expertenmeinungen ihre Gesundheit schädigt.

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Re: Atomenergie

Beitrag von MooHo » Mo 14. Mär 2011, 13:02

Wenn wir alle bereit sind, zu Faustkeilen und Lagerfeuer zurück zu kehren, brauchen wir sowas nicht.

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Re: Atomenergie

Beitrag von expat » Mo 14. Mär 2011, 13:06

MooHo hat geschrieben:Wenn wir alle bereit sind, zu Faustkeilen und Lagerfeuer zurück zu kehren, brauchen wir sowas nicht.
Wenn ich das jetzt richtig interpretiere, haben wir da einen Vertreter einer Technologie,
die vom Menschen nie beherrscht werden kann und die Abfälle verursacht, die Jahrtau-
sende eine Gefahr bedeuten, ohne dass Lösungen bestehen, wie diese Abfälle unterge-
bracht werden sollen.
Einer Legende nach sollten die Schweizer Bürger einen Hut des Diktators Gessler so grüßen als sei er es selbst. Schiller machte aus dem Stoff sein Drama "Wilhelm Tell". Eine solche Funktion hat der Erlass, der freien Bürgern ohne sinnvollen Grund einen Maulkorb anlegt, der nach Expertenmeinungen ihre Gesundheit schädigt.

Somprit

Re: Atomenergie

Beitrag von Somprit » Mo 14. Mär 2011, 15:35

... wenn wir unseren derzeitigen Lebensstandard halten, gar steigern wollen, werden wir wohl ohne Atom-Energie mit allen der damit verbundenen Gefahren kaum verzichten können.
Was nützt ein Deutschland ohne AKW/Atomkraft, wenn wir wie eine einsame Insel in einem Atom-Ozean nur mit Wind-/Sonnenkraft vor uns hin dümpeln ... :denk:

Solange ein weltweites Umdenken nicht greift, erscheint mit der Ruf der "Grünen" bzw. sonstigen Atomkraft-Gegnern in D. wie der einsame Rufer in der Wüste ... wie MooHo schon sagt: ...zurück zu Faustkeil & Lagerfeuer ... obwohl dies durchaus das endgültige Ergebnis bei Weiternutzung der Atomkraft sein kann ... tja, ein kaum zu lösendes Dilemma.... :denk:

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Re: Atomenergie

Beitrag von MooHo » Mo 14. Mär 2011, 17:25

expat hat geschrieben:
MooHo hat geschrieben:Wenn wir alle bereit sind, zu Faustkeilen und Lagerfeuer zurück zu kehren, brauchen wir sowas nicht.
Wenn ich das jetzt richtig interpretiere, haben wir da einen Vertreter einer Technologie,
die vom Menschen nie beherrscht werden kann und die Abfälle verursacht, die Jahrtau-
sende eine Gefahr bedeuten, ohne dass Lösungen bestehen, wie diese Abfälle unterge-
bracht werden sollen.
Du urteilst vorschnell, mal so eben aus der Hüfte geschoßen.

Mein Metier ist der Umweltschutz, dennoch bin ich nicht blind für das machbare. Expat mit deinen Aussagen klassifiziesrt du dich als "Wasch mich, aber mach mich nicht naß"-Typ oder vertreter des Florians-Prinzips.
Menschen wollen ihren Lebensstandard verbeßern, dazu ist Energie nötig. Der Bedarf ist so groß, daß er nicht aus konventionellen und regenerativen Quellen gedeckt werden kann. Die technik ist in Grenzen beherrschbar, sogar ziemlich großen Grenzen. Ein Erdbeben mit anschließendem Tsunami, weiß Gott nicht ein alltägliches Ereignis, hat nun gezeigt, daß die grenzen nicht groß genug sind. Bei der Planung solcher Anlagen werden erhebliche Worst-Case-Annahmen getroffen, aber kein Mensch kann alle Eventualitäten hervorsehen und man kann keine Anlage gegen alle Eventualitäten präparieren.

Entsprehend deiner Einstellung, müßtest du an vorderszer Stelle stehen und ein weltweites Automobilverbot fordern. Das ist eine riskante Technologie, die von menschen nicht beherrschbar ist. Täglich werden Menschen verletzt und getötet.

Das ungelöste Problem in der Nukleartechnik ist die Entsorgung und der Mensch, der die Technik handelt. Wie das neueste Beispiel zeigt, kann es trotz großer Redundanz zu Problemen kommen. Man hatte mehr Dieselnotstromaggregate zur Verfügung, als vorgeschrieben war. Aber als der Fall eintrat, funktionierte keines. In meinem Berufsleben habe zu häufig die Erfahrung gemacht, das Erstzgeräte zwar vorhanden waren, aber nicht funktionierten, weil diese nicht in den regulären Wartungszyklus mit eingebunden wurden. Ich vermute, daß so was ähnliches auch in Japan der Fall war. Warum soll man ein Gerät warten, daß nicht benutzt wurde und somit keinen Verschleiß hat?

Vor etwas mehr als 10 Jahren gab es in Deutschland mal einen Schwarzfall in einem Kraftwerk, auch dort funktionierte das Notstromaggregat nicht. Bei der Planung war für so einen Fall vorgesehen Strom aus dem Netz zu beziehen. Leider war durch Blitzschlag auch das Netz betroffen und konnte keinen Strom liefern. Bei der Störfallberechnung gab es für genau diesen Fall eine so geringe Wahrscheinlichkeit, daß dieser Fall nicht in der Planung berücksichtigt wurde. Aber trotz so geringer Wahrscheinlichkeit ist es passiert. Aber Störfälle mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit traten im Lauf der Jahre einfach nicht auf.

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